Not suitable for vacation
Es gibt auf irgendeinem Streamingdienst eine Serie, die heißt „Not suitable for work“. Ich habe sie nicht angesehen, da der Fernsehkritik-Podcast meines Vertrauens es sehr mittelmäßig fand.
Kurze Abschweifung: Übrigens, gar nicht mittelmäßig ist dieser Podcast! DAS KLEINE FERNSEHBALLETT. Bitte hört euch den Podcast an, im Zweifel Ultra werden und Sarah Kuttner und Stefan Niggemeier dafür bezahlen, dass sie einem jede Woche diesen Podcast schenken. Man bekommt dann auch extra Content. Muss ich jetzt in diesem hochprofessionellen Blog erwähnen, dass ich zwar dicke, dicke Werbung für die beiden machen möchte, aber dafür kein Geld bekomme? Und die davon nix wissen? Also, ich bekomme kein Geld dafür, werbe aber trotzdem dafür, dass ihr ihnen Geld gebt, einfach weil ICH den Podcast so liebe und er eingestellt wird, wenn es nicht genug Menschen gibt, die das finanziell unterstützen. Es ist schnell, schlau, ADHSig, Sarah immer ein bisschen drübber und Stefan immer bemüht, sie wieder einzufangen. Großartig! Und selbst, wenn man die besprochenen Sachen nicht gesehen hat und nicht sehen will, die beiden sind großartig!
Ich war auf Sarah Kuttners Lesung zu „Mama und Sam“, ihrem letzten Buch, und mein Gott, ist die schnell im Kopf! Unglaublich witzig und beeindruckend schnell. Und schlau.
Also. Worauf wollte ich hinaus? Dass ich mich nicht für Urlaub eigne. Die gut unterrichteten Mäuse unter euch haben es ja mitbekommen: hier wurde einfach mal der Urlaub abgebrochen, bevor er richtig angefangen hatte. Wir kamen zeitig an, Flug, Taxifahrt alles gut und reibungslos gelaufen. Wir checken ein und laufen zum Bungalow. Am Pool vorbei. Ich war schon mehrmals in dieser Anlage im Urlaub. Immer mit vielen Kindern und einer männlichen Begleitperson. Diese Kinder haben dort teilweise sehr viel Zeit bei den angebotenen Freizeitaktivitäten verbracht und ich hatte endlich mal zwischendurch eine Pause. Keine Brotdosen, kein Einkaufen, Waschen, Kochen etc. für 5 Personen. Was für ein Himmelreich! Wer hört schon die wummernden Bespaßungsmusikbässe, wenn endlich mal 20 Minuten keiner MAAAAAMAAAA!!! ruft? Die Sonne schien, der Wind kühlte, am Strand kaum Menschen, keine Liegen, keine Schirme, nur ich und das Meer. Selbst am Pool habe ich den reinen Frieden empfunden. Der riesige Speisesaal mit all den Leuten- kein Problem, solange auch meine picky eater etwas zu essen gefunden haben.
Mein letzter Aufenthalt dort war 7 Jahre, als ich am Samstag wieder einen Fuß in die Anlage gesetzt habe. Zwei meiner Kinder sind ausgezogen, das letzte hier wohnende ist auch längst kein Kind mehr. Wir sind eine FrauenWG mit Hunden. Wir gehen am Pool vorbei und es trifft mich wie ein Hammer: es ist laut und voll. Plötzlich scheint es mir gar nicht mehr wie ein Ort, an dem ich Frieden finde, sondern es ist ein lauter, voller Ort, an dem ich nicht sein will. Ich will nicht Liegen und Wasser mit so vielen Menschen teilen.
Denn der letzte Aufenthalt ist nicht nur 7 Jahre her, sondern es liegen auch eine Menge Erkenntnisse und eine Diagnose zwischen mir damals und mir heute. Und ein Östrogenabfall, der irgendwie kompromissloser und willensstärker macht.
Mein Stresslevel war damals zu Hause auf eine Art hoch, auf die es jetzt nicht mehr hoch ist. Der Stress ist jetzt ein anderer. Und diesem Art Stress lässt sich nicht in einem all-inclusive Hotel mit vielen Familien mit jeder Menge Kinder (0 bis 17) abhelfen .
Mein Kind fühlte aus hier nicht näher genannten Gründen das gleiche und so haben wir beschlossen: wir fliegen heim. Und zwar sofort. Am nächsten Tag. Wir waren so glücklich nach dieser Entscheidung als hätten wir eine Woche erholsamsten Urlaubs hinter uns gebracht.
Selbstwirksamkeit ist ein mächtiges Ding. Und zu entscheiden, wir brechen das hier ab, denn es soll schön sein und das ist es nicht, war großartig. Ein Teil von mir hat gezögert, alles abgespult im Kopf, was andere jetzt in dieser Situation zu mir sagen könnten. Und ich war mega gestresst. Bis ich mir gedacht habe: verdammt! Wann genau möchte ich das beenden, dass mich solche Dinge in meiner Freiheit und meinen Wünschen beschneiden? Denn die einzige Person, deren Meinung in dem Moment wichtig war, war mein Kind und das wollte auch NACH HAUSE. Also habe ich Flüge gebucht. Allein, dass es so spontan Rückflüge gab, war für mich ein Zeichen.
Ja, beim spontanen Buchen habe ich dann vier statt zwei Gepäckstücke gebucht (natürlich gegen Geld), aber auch das habe ich weggeatmet. ADHS Steuer. Ich habe kurz überlegt, mich dafür mehrere Stunden zu schämen und schlecht zu fühlen, aber ich habe es gelassen. Schließlich hatte ich Urlaub.
So bin ich zur Rezeption und habe ein Taxi für den nächsten Morgen geordert und schon mal ausgecheckt. Wir haben dann einen ganz ruhigen Abend verbracht, in Vorfreude auf den neuen Tag. Am nächsten Morgen kommt das Kind ins Bad und fragt: „Und? Fühlt sich die Entscheidung noch gut an?“ und ich habe nur gegrinst und gesagt: „Noch besser!“
Und hier bin ich nun. Glücklich zu Hause. Und ich habe nur süße Antworten auf meine Mitteilung bekommen, jetzt wieder zu Hause zu sein. Danke liebe P an dieser Stelle, du warst soooo unfassbar mausig toll und auch A hat einfach sofort verstanden, warum ich wieder hier bin. Und ihr habt es nicht als „aufgeben“ gewertet, sondern eben als Selbstermächtigung.
Die Hunde hingegen haben es wirklich gut angetroffen und so habe ich beschlossen, das Angebot unserer hinreißenden Hundesitterin anzunehmen, sie noch ein wenig dazulassen. Es ist ein schönes Gefühl, mal unabhängig von Gassizeiten zu planen, dennoch freue ich mich sehr darauf, wieder diese Struktur zu haben und so viel rauszukommen.
Bitte? Hm? Da vor dem Fenster? Ja, das ist ein Hund. Nee, nee, nicht meiner, der von meinem Kind. Daycare, sozusagen, Hundetagesmutter mach ich heute.
Die Dackelin, diese große Tragödin, hat es natürlich geschafft, die Hundesitterin und ihren Freund (ja, der, mit dem sie direkt in der Probenacht Löffelchen gelegen hat- wohlgemerkt als der große Löffel!) so zu beunruhigen, dass beide mit ihr im Notdienst in die Tierklinik gefahren sind. Sie hatte sich die Pfote vertreten und hernach ausgiebig winselnd eine ziemliche Dramolette aufgeführt, es wurde schlimmstes befürchtet, auch vom Arzt, um dann nach viel ärztlicher Aufmerksamkeit und einer Röntgenuntersuchung auf den eigenen Pfoten hinter dem Arzt her ins Behandlungszimmer zurückzudackeln. „And the Oscar goes to…“ Gut, in dem Fall wurde keine goldenen Statue verliehen, sondern der Tierklinik ein kleiner Goldbarren überwiesen, aber der Auftritt der Dackelin war es definitiv wert (immerhin gab es für das Geld eine Gegenleistung, was bei meinen zu viel gebuchten Gepäckstücken nicht der Fall war…).
Also, ihr seht, ich eigne mich wirklich nicht richtig für Urlaub. Nicht für diesen und für ganz viele andere auch nicht. Ich freue mich mit allen anderen, die sich über ihre Urlaube freuen und diese genießen, aber ich bin so dankbar für meinen Aufstellpool und mein eigenes Bett, ihr macht euch keine Vorstellung!
Aber wenn alle anderen Ferien haben und/ oder Urlaub machen, dann verlangsamt sich das Leben auch für mich. Und das genieße ich sehr. Danke für´s Urlaub machen!