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Kommst du mit? Teil 1

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Kommst du mit? Teil 1

Weil ich eigentlich gerade Wäsche aufhängen, zusammenlegen und wegräumen müsste, mein Bett frisch beziehen, die Hundefutterdosen auffüllen, Pappe klein machen, um meinen Schreibtisch herum aufräumen und nach Auffassung des Dackels mit dem Dackel spielen müsste, schreibe ich jetzt einfach noch den Eintrag zur meiner Nacht in K. und, wie bereits angedeutet, dabei handelt es sich nicht um Köln.

Wie ich da hingeraten bin? Ich bin entgegen meiner Entscheidung, dem Abitreffen fernzubleiben, doch hingegangen und hatte einen wirklich schönen Abend. Wir waren eine Stufe mit sehr, SEHR vielen Leuten und davon waren sehr, SEHR wenige da. Was aber auch bedeutete: alle, auf die ich keinen Bock hatte, waren nicht da.

Nach einer wirklich harten Woche, habe ich mir vorgenommen, das fucking beste aus diesem Samstag zu machen. Ich war also mit meinem Kind bei einer Einladung zum Bestaunen der Herbst-Winter-Kollektion in einem Laden in Düüüüüüsseldorf. Es war nett, aber ich gebe zu, ich hatte mir mehr Lästerstoff erhofft. Es war dann doch geradezu unspektakulär. Aber dadurch nicht weniger schön, etwas mit meinem Kind zu machen.

Danach habe ich auch noch sehr schön etwas alleine gemacht und bin glücklich nach Hause gefahren. Da habe ich auch noch den Tag schön sein lassen und dann habe ich auf´s Handy geschaut und in der Abitreffengruppe waren Fotos vom Abitreffen. Und irgendwie dachte ich mir: alle, die da sitzen, sind die Netten. Wenn die mich Sachen fragen, auf die ich nicht antworten will, lüge ich eben oder weiche aus und außerdem sehe ich heute wirklich gut aus. Also schnell nochmal mit den Hunden raus und ab ins Nirgendwo zu einem gar nicht mal so guten Griechen.

Niemand hat mich Sachen gefragt, die ich nicht beantworten wollte. Vielleicht fragt man in unserem Alter auch nicht mehr so bohrend wie mit 25 oder 30. Vielleicht haben wir alle Themen, nach denen wir nicht gefragt werden wollen und fragen deswegen auch nicht mehr bei den anderen so unnachgiebig. Wir haben uns also einfach unterhalten über Dinge. Und das war schön, das war lustig und ich habe mich gefreut, hingefahren zu sein.

Und dann sind wir nachher noch zu zweit in die Stadt mit K gefahren. Weil ich gesagt habe, ich will nochmal tanzen gehen. Laut, dunkel, viel Bass. Ich sag mal so: das haben wir jetzt nicht gefunden. Aber zumindest für meinen Geschmack war das, was wir gefunden haben, ein guter Ersatz.

Wir sind gestartet in einem Laden mit viel, mit SEHR VIEL Bass, aber zu laut, zu schnell, die Leute zu jung und ich zu alt für Gabber und Hardstyle, aber ich hatte einen Eindruck. Da raus sind wir direkt zum Kontrastprogramm übergegangen: wir standen am Eingang zu WDR 4 Schlagerparty und der einfach nur unglaublich süße Türsteher riet uns DRINGEND davon ab, da reinzugehen. Empfahl die Location 50m entfernt. Nee, da lief Reggae, das hatten wir schon ausgeschlossen. Schaut uns an, überlegt, was wir machen sollen. Duisburg? Sein Kumpel arbeite da heute Abend, der habe eine Nachricht geschickt, er könne ja mal hören, was der sage. Oder Düsseldorfer Altstadt? Ach, am besten sollten wir uns eine Flasche Wein holen und uns zu Hause einen schönen Abend machen. Auf unsere zögerliche bzw. irgendwie ablehnende Reaktion, fragte er nach, warum nicht. Wir haben ihn dann in Kenntnis gesetzt, dass wir uns gerade erst nach 30 Jahren wiedergetroffen haben. Ach, so, sagt er. Aber, ihr wärt doch ein gutes Paar. Wieder sparsame Reaktion. Nicht? fragt er. Oder seid ihr mit anderen verheiratet? Das haben wir dann verneint. Ich sag mal so: sein GO hatten wir. Wir haben uns dann trotzdem ein Stück vorgewagt zur Schlagerparty bis an die Kasse, haben die Leute auf uns wirken lassen und sind dann zu dem Entschluss gekommen: besser nicht.

Nächstes Ziel eine wirklich süße- ja, was denn? Kneipe? sagt man das noch??? Zwei Colas und zwei Bier lang sitzen, Schneidersitz auf der Bank und quatschen, zuhören, erzählen, was eben keiner gefragt hat und was man eben auch nicht so gerne allen erzählt hätte. 30 Jahre sind eine lange Zeit, wird einem klar. Dann haben die zugemacht und wir sind weitergezogen.

Nächste Location. Und das war der Hammer! Eine simple Tür, verkleidet mit weißen Leisten aus den, sagen wir mal 80ern, maximal 90ern, Klingel, es wurde geöffnet, wir durften sofort rein, die drei jungen Frauen, die mit uns da standen, wurden erst mal nach den Ausweisen gefragt. Ich denke ja bis heute, ich muss meinen Ausweis zeigen, egal wo, auch beim Alkohol kaufen. Aber aus irgendeinem Grund teilte der junge Mann an der Kasse mein Gefühl nicht, auch nicht, nach dem meine Begleitung zur Sicherheit nochmal nachgefragt hat, ob er nicht auch unsere Ausweise sehen wolle.

Der ganze Laden bestand aus Holzverkleidungen aus den 80ern, DC fix, Klebeband, abenteuerlich verlegten Kabeln, Lichterketten, Trockenblumen, die allerdings auch schon vertrocknet waren, rassistischen Dekofigürchen und einem Wirt, der eine Haut wie mumifziert hatte und Haare, die wirkten, als habe auch das Toupet Haarausfall. Daneben sprangen Typen hinter der Theke rum, die aussahen, als könnten sie fast hauptberuflich im Trash TV arbeiten.

Ich bin lange nirgendwo mehr reingekommen und mit so einem „Ah, Frischfleisch“ Blick angesehen worden. Aber hier war es nach Jahren bzw. Jahrzehnten mal wieder soweit. Ich bilde mir nichts darauf ein, an diesem Ort ist man nicht wählerisch. Also, ich schon, aber andere nicht…

Von dem Typen, der nicht nur mir, sondern auch meiner männlichen Begleitung im Laufe unserer Verweildauer immer wieder ein Lächeln schenkte, was Sido damit zu tun hat, den Tränen, die flossen und den alkoholisierten Diskussionen über die korrekte Bezeichnung einer Haarfarbe erzähle ich euch in Teil II.